Das Heslacher Waldheim
Der Heslacher Bürger Karl Oster kam im Jahre 1908 auf den Gedanken, für die arbeitende Bevölkerung einen Erholungsplatz zu schaffen. Damals war der 8 Stundentag noch eine Utopie. Die Arbeitnehmer suchten in den freien Stunden eine Möglichkeit, mit wenig Geld ihre karge Freizeit außerhalb ihrer Wohnung verbringen zu können.
Viel Mühe und Idealismus waren notwendig, um einen geeigneten Platz zu finden, das Geld für den Kauf des Geländes aufzubringen und einen Verein zu gründen, der die ganze Vorstellung verwirklichen konnte.
Anfang März 1908 fand Karl Oster einen Baumgarten im Dachswald. Ohne zu wissen, woher das erforderliche Geld kommen sollte, kaufte er die Baumwiese mit einem Stück angrenzenden Waldes. Damit war der Grundstock für das Waldheim und die Gründung des Waldheimvereins Heslach e.V. gelegt. Mit der Ausgabe von Anteilscheinen zu 5,- DM wurde versucht, die Kaufsumme aufzubringen. Jedoch reichte der Betrag zusammen mit den Spenden einiger Freunde nicht aus. Oster gelang es, das notwendige Geld von einem aufgeschlossenen Mann zu erhalten.
Viel Mühe und Arbeit erforderte die Herrichtung der erworbenen Grundstücke. Dies war nur durch die uneigennützige Mitarbeit seiner Freundin möglich. An Ostern 1908 konnte das Waldheim eröffnet werden. Die geleistete Arbeit wurde mit dem Besuch von Hunderten von Leuten belohnt.
Die bisherige Arbeit wurde durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation unterbrochen. Das Dritte Reich brachte das Ende des Waldheimvereins. Die damaligen Machthaber verkauften das Anwesen 1934 an eine Stuttgarter Kirchengemeinde. Diese war jedoch nicht in der Lage, das Waldheim zu unterhalten und zu erhalten, zumal sich die Heslacher Arbeiter einig waren, das Waldheim nicht mehr zu besuchen. Nach Rückgabe an die Stadt Stuttgart stellte diese das Haus der Hitlerjugend zur Verfügung. Was ist dieser Zeit nicht zerstört wurde, fiel den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Trotz des enormen Schadens und der vielen Enttäuschungen fanden sich nach 1945 wieder Heslacher Bürger zusammen, um von vorne zu beginnen und die Idee Karl Osters nicht untergehen zu lassen.